← Zurück zum Blog

Die 10 bedeutendsten Klöster in Tibet

Tibet war über Jahrhunderte ein theokratischer Staat, in dem die Gelug-Schule des Vajrayana-Buddhismus politische und religiöse Macht in der Person des Dalai Lama vereinigte. Die großen Klöster Lhasas waren nicht nur religiöse Institutionen — sie waren Universitäten, Gerichte, Werkstätten und politische Kräfte. Im zwanzigsten Jahrhundert wurden diese Strukturen durch das Eingreifen der chinesischen Volksrepublik (1950) und besonders durch die Kulturrevolution (1966–1976) massiv zerstört: Schätzungen gehen davon aus, dass über sechstausend der rund sechstausendvierhundert tibetischen Klöster und Tempel während dieser Periode beschädigt oder zerstört wurden. Was heute zu sehen ist, ist zum Teil Restaurierung, zum Teil symbolisches Bruchstück, zum Teil erstaunliche Kontinuität.

1. Jokhang, Lhasa

Der Jokhang-Tempel ist der heiligste Ort Tibets und das spirituelle Herz des tibetischen Buddhismus — der Mittelpunkt des Universum in der tibetischen Kosmologie. Der Tempel wurde im siebten Jahrhundert von König Songtsen Gampo erbaut, um die Jowo-Statue des Buddha Shakyamuni (im Alter von 12 Jahren) zu beherbergen, die seine chinesische Gemahlin als Mitgift mitbrachte. Die Prostrations-Pilger (Khangpa), die sich auf dem Barkhor-Platz um den Tempel herum auf den Boden werfen, sind eine der eindringlichsten religiösen Szenen Asiens. Täglich geöffnet; Eintritt kostenpflichtig; Fotografieren im Innern beschränkt.

2. Potala, Lhasa

Der Potala-Palast auf dem Marpori-Hügel von Lhasa ist das ikonischste Bauwerk Tibets. Er wurde im siebzehnten Jahrhundert unter dem fünften Dalai Lama errichtet und bis 1959 als Wintersitz des Dalai Lama genutzt. Der Palast enthält Hunderte von Kapellen, Tausende von Statuen und die goldenen Tschörten (Stupa) der Dalai Lamas vom fünften bis dreizehnten. Seit 1994 UNESCO-Welterbe. Heute ist der Potala ein staatliches Museum; der Besucherzugang ist auf eine feste Tageszahl beschränkt und muss im Voraus gebucht werden.

3. Sera, Lhasa

Sera war vor 1959 eines der drei großen Gelug-Klöster Lhasas (zusammen mit Drepung und Ganden) und beherbergte über zehntausend Mönche. Heute sind noch einige hundert Mönche im Kloster, die unter staatlicher Aufsicht studieren. Sera ist bekannt für die öffentlichen Debatten im Klosterhof (nachmittags, Montag bis Samstag) — die Mönche klatschen in die Hände, um Argumente zu unterstreichen, in einer lebhaften dialektischen Tradition, die das tibetische monastische Studium seit dem Mittelalter prägt.

4. Drepung, Lhasa

Drepung (tibetisch: Reisberg) war mit zehntausend Mönchen im achtzehnten Jahrhundert wahrscheinlich das bevölkerungsreichste Kloster der Welt. Es liegt auf einem Hang westlich von Lhasa und war de facto die Residenz der frühen Dalai Lamas vor dem Bau des Potala. Das Kloster enthält das Ganden Phodrang — den ursprünglichen Palast des Dalai Lama. Heute sind noch einige Hundert Mönche anwesend; der Komplex ist für Besucher zugänglich.

5. Ganden, Distrikt Lhasa

Ganden, 40 Kilometer östlich von Lhasa auf einem Berggipfel gelegen, wurde 1409 von Je Tsongkhapa gegründet — dem Reformer, der die Gelug-Schule ins Leben rief. Es war das erste der drei großen Lhasa-Klöster und damit das Fundament der Gelug-Tradition. Während der Kulturrevolution wurde Ganden nahezu vollständig dem Erdboden gleichgemacht — Zeitzeugen berichten, dass Artillerie eingesetzt wurde. Die Restaurierung begann in den 1980er Jahren; heute sind einige wichtige Gebäude wiederhergestellt. Der Rundweg (Ganden Kora) um den Klosterberg bietet außergewöhnliche Panoramablicke auf das Kyi Chu-Tal.

6. Tashilhunpo, Shigatse

Das Tashilhunpo-Kloster in Shigatse, gegründet 1447, ist der traditionelle Sitz des Panchen Lama — der zweithöchsten Autorität des tibetischen Buddhismus nach dem Dalai Lama. Das Kloster enthält den größten sitzenden vergoldeten Buddha der Welt (26 Meter hoch) und eine aktive Gemeinschaft von mehreren hundert Mönchen. Es war während der Kulturrevolution weniger zerstört als andere Großklöster, teilweise weil der damalige Panchen Lama unter chinesischem Schutz stand.

7. Samye, Shigatse-Distrikt

Samye, südlich des Brahmaputra gelegen, ist das älteste Kloster Tibets, gegründet im achten Jahrhundert von König Trisong Detsen mit Unterstützung von Padmasambhava und Shantarakshita. Die kosmologische Anlage spiegelt das buddhistische Weltbild wider: die Hauptkirche repräsentiert den Sumeru-Berg, die umliegenden Gebäude die Kontinente des Universums. Samye ist per Bus von Lhasa oder Tsedang erreichbar und erfordert eine Übernachtung.

8. Mindrolling, Lhoka-Distrikt

Mindrolling, 1676 gegründet, ist das wichtigste Nyingma-Kloster Tibets (Nyingma ist die älteste der tibetischen Schulen). Das Kloster enthielt eine bedeutende Sammlung von Termas — versteckten Schätzen aus der Zeit Padmasambhavas — und war ein Zentrum der tibetischen Medizin. Teilweise in der Kulturrevolution zerstört und wiederaufgebaut; eine aktive Gemeinschaft besteht fort.

9. Ralung, Shigatse-Distrikt

Ralung, 1179 gegründet, war das Mutterkloster der Drukpa-Kagyu-Schule, die heute die Staatsreligion Bhutans ist. Das Kloster war einst der Sitz einer mächtigen Inkarnationslinie; heute ist es wenig bekannt und wird von einer kleinen Gemeinschaft bewohnt. Es liegt in einem abgelegenen Tal südlich von Gyantse und erfordert ein eigenes Fahrzeug.

10. Drigung, Lhasa-Distrikt

Drigung Til, 1179 gegründet, ist das Hauptkloster der Drigung-Kagyu-Schule. Das Kloster auf einem Bergsporn nördlich von Lhasa ist bekannt für die nahe gelegene Himmelsbeisetzungsstätte (Jhator) — ein tibetisches Begräbnisritual, das Leichname rituell Geiern überlässt. Das Kloster ist für Besucher zugänglich; der Weg dorthin ist lang und erfordert einen geführten Fahrer.

Kulturrevolution und heutiger Stand

Von den schätzungsweise 6400 tibetischen Klöstern und Tempeln, die 1950 existierten, wurden zwischen 1966 und 1976 rund 6000 zerstört oder schwer beschädigt. Restaurierungsarbeiten begannen in den 1980er Jahren nach der Entspannungspolitik Deng Xiaopings, werden aber von staatlicher Aufsicht und Einschränkungen begleitet. Der Zugang zu vielen tibetischen Stätten erfordert eine Sondererlaubnis (Tibet Travel Permit) und eine geführte Tour. Alle erreichbaren Klöster sind auf der Karte eingetragen.