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Klosteraufenthalte und Retreats

Ein Kloster zu besuchen ist das eine. In einem zu schlafen ist etwas anderes. Die meisten aktiven Klöster unterscheiden zwischen dem öffentlichen Kirchenbereich und dem Klausurbereich, der Gästen nicht zugänglich ist. Dazwischen liegt das Gästehaus — ein Raum des benediktinischen Grundsatzes, Fremde wie Christus aufzunehmen. Wer sich die Zeit nimmt, diesen Raum richtig zu nutzen, bekommt ein Reiseerlebnis, das Hotels nicht reproduzieren können.

Benediktinische Gastfreundschaft in Italien

Die Regel des Heiligen Benedikt im 53. Kapitel: „Alle Gäste, die ankommen, sollen wie Christus aufgenommen werden." Drei Häuser in Italien verstehen diese Vorschrift als aktive Praxis.

Das Kloster Subiaco in den Sabiner Bergen östlich von Rom ist der Gründungsort des westlichen Mönchtums: Benedikt zog sich hier in eine Höhle zurück, bevor er nach Monte Cassino weiterzog. Zwei separate Klöster — Santa Scolastica und Sacro Speco — nehmen Gäste in einfachen Zimmern auf. Santa Scolastica ist täglich zugänglich; Sacro Speco, das direkt in den Fels gebaut ist und die legendäre Höhle einschließt, ist für Tagesbesucher und Gäste zugänglich. Die Gegend ist für Wanderer von großem Wert — der Weg zwischen beiden Klöstern führt durch Olivenwälder und mittelalterliche Vegetation.

Monte Cassino in der Provinz Frosinone ist das Mutterkloster der benediktinischen Tradition, im Zweiten Weltkrieg vollständig zerstört und wiederaufgebaut. Es empfängt Gäste in einem Gästehaus mit einem Panoramablick über das Liri-Tal. Die Klosterkirche, deren Schätze und die Kriegsfriedhofsanlage am Abhang ziehen gleichermaßen religiöse Pilger und Kriegsgeschichtsinteressierte an.

Die Eremo di Camaldoli im Casentino-Wald der Toskana ist das Herzstück der kamaldulensischen Kongregation — einer benediktinischen Reform, die zönobitisches und eremitisches Leben kombiniert. Das Kloster im Tal nimmt Gäste auf; der Eremo weiter oben ist für männliche Besucher zugänglich, schließt aber abends. Die Waldapotheke, die seit dem elften Jahrhundert arbeitet, verkauft Kräuterprodukte von beträchtlicher Qualität.

Zisterziensische Aufenthalte in Frankreich

Die Abtei Tamié in den savoyardischen Alpen oberhalb von Albertville ist eine zisterziensische Gemeinschaft, die Gäste zu einem Retreat von bis zu einer Woche aufnimmt. Die Bedingungen sind einfach: eigenes Zimmer, gemeinsame Mahlzeiten in Stille, freier Zugang zu den Gottesdiensten. Tamié ist bekannt für seinen gleichnamigen Weichkäse, der ausschließlich von den Mönchen hergestellt und im Klosterladen verkauft wird.

Das Kloster Lérins auf der Insel Saint-Honorat vor Cannes ist eines der ältesten noch aktiven Klöster Europas — die Gründung wird traditionell auf das frühe fünfte Jahrhundert datiert. Die Gemeinschaft nimmt begrenzte Gäste auf; die Insel selbst kann mit der Fähre von Cannes besucht werden. Lérins produziert auch heute noch Wein und einen Kräuterlikör, dessen Herstellung auf Vorläufer aus dem Mittelalter zurückgeht.

Sept-Fons in der Allier-Region ist eine der strengsten Trappistenabteien Frankreichs und nimmt ausschließlich Männer für geistliche Aufenthalte auf. Die Aufnahme setzt eine Korrespondenz mit dem Gastmeister voraus und ist auf Retreatgäste beschränkt, die an einem vollständigen Klosterrhythmus teilnehmen möchten.

Stift Heiligenkreuz und anglikanische Mirfield

Das Stift Heiligenkreuz im Wienerwald ist die älteste ununterbrochen besiedelte Zisterzienserabtei der Welt, gegründet 1133 vom Babenberger Markgrafen Leopold III. Das Gästehaus nimmt männliche und weibliche Gäste auf; die Gemeinschaft ist für ihre gregorianischen Choralaufnahmen bekannt, die international vertrieben werden. Die Nähe zu Wien (35 Kilometer) macht einen Tagesausflug ebenso möglich wie einen mehrtägigen Aufenthalt.

Community of the Resurrection in Mirfield, West Yorkshire, ist eine anglikanische Ordensgemeinschaft, die das Gästehaus King's Hall für Retreats betreibt. Die Gemeinschaft folgt einer an die Benediktinerregel angelehnten Tagesstruktur; Gäste beider Geschlechter sind willkommen. Mirfield ist besonders für Besucher geeignet, die sich mit anglikanischem Ordensleben vertraut machen möchten, ohne in eine streng kontemplative Atmosphäre einzutauchen.

Plum Village und Koyasan Shukubo

Plum Village im Périgord, gegründet 1982 von Thich Nhat Hanh, ist das größte buddhistisch-monastische Retreat-Zentrum in Europa. Es arbeitet nach dem Modell der achtsamen Gemeinschaft (Sangha) und empfängt Laien in saisonalen Retreats von einer bis drei Wochen. Die Unterkunft ist gemischt nach Tradition — Unterkünfte in einfachen Hütten, Mahlzeiten in Gemeinschaft, täglich Geh- und Sitzmeditation. Plum Village betreibt drei Gehöfte in der Nähe der Kleinstadt Thénac, jede mit getrennten Bereichen für Männer, Frauen und Familien.

Koyasan auf dem gleichnamigen Berg in der Präfektur Wakayama ist das Hauptquartier des japanischen Shingon-Buddhismus. Mehr als fünfzig Klöster auf dem Bergplateau — lokale Bezeichnung: Shukubo — bieten Gastunterkunft an, einschließlich Abend- und Morgengebeten und der buddhistischen Mahlzeit Shojin Ryori aus Sesamtofu, Miso und Gemüse. Koyasan ist per Standseilbahn und Bahn von Osaka (knapp zwei Stunden) erreichbar; eine Übernachtung ist der einzige Weg, die Atmosphäre des frühen Morgens im Okunoin-Friedhofswald zu erleben.

Schweige-Regel, Spenden und Packliste

Die meisten monastischen Gästehäuser in der westlichen Tradition praktizieren ein gewisses Maß an Stille, besonders um die Gottesdienstzeiten. Das bedeutet nicht totales Schweigen an jedem Punkt des Tages, sondern das Vermeiden lauter Gespräche in Fluren, Kreuzgängen und Speisesälen. Einige Häuser — Sept-Fons, die Kartäuserabbeys — halten strenge Schweige-Regeln; andere, wie Heiligenkreuz, erlauben Gespräche in bestimmten Räumen.

Zu den Kosten: Viele benediktinische und zisterziensische Häuser nehmen keine feste Gebühr, sondern bitten um eine Spende (Oblata), die den tatsächlichen Kosten von Mahlzeiten und Unterkunft entsprechen sollte. Ein realistischer Betrag liegt zwischen 40 und 80 Euro pro Nacht inklusive Verpflegung. Trappistenhäuser in Frankreich und Belgien haben in den letzten Jahren zunehmend auf feste Preise umgestellt, um die Verwaltungsarbeit zu reduzieren.

Für die Packliste gilt: bescheidene Kleidung (bedeckte Schultern und Knie), keine kurzen Hosen in gemeinsamen Bereichen, kein Alkohol (außer im eigenen Zimmer und nur in einigen Häusern toleriert), frühzeitiges Aufstehen ist keine Option sondern Erwartung. Wer die Offiziumsgebete kennenlernen möchte, sollte ein Stundenbuch oder eine Liturgia-App mitbringen; die meisten Klöster stellen keine Bücher für Gäste bereit.

Vorbereitung und Reservierung

Die Nachfrage nach Klosteraufenthalten übersteigt in Westeuropa regelmäßig das Angebot. Heiligenkreuz, Tamié und Lérins sind besonders in den Sommermonaten und um Ostern ausgebucht. Eine Anfrage sechs Monate im Voraus ist für beliebte Häuser empfehlenswert. Nutzen Sie die Karte, um Klöster mit Gästehaus in Ihrer Wunschregion zu finden, und wenden Sie sich dann direkt an das Kloster — die meisten kommunizieren per E-Mail oder Brief, selten über Buchungsplattformen.